WELTKULTURERBE BENARES

ISG und TU Graz helfen



Vom 8.2. bis 17.2. 2006 hielten sich Vertreter vom INTERNATIONALEN STÄDTEFORUM GRAZ bzw. der Technischen Universität Graz, Institut für Städtebau, in Indien auf, um in Varanasi, das Europäern besser unter dem Namen Benares bekannt ist, einen Vorschlag für die Abgrenzung eines Schutzgebietes für das überaus wertvolle Kulturerbe und eine Pufferzone auszuarbeiten. Dies geschah in enger Verbindung mit Vertretern der örtlichen Universität und der Kautilya Society. Die Stadt Varanasi hatte Graz und das ISG über die Österreichische Botschaft in Neu Delhi bereits 2004 um Hilfe gebeten. Die durchgeführten Arbeiten sind eine Vorbereitung für einen Antrag um Aufnahme in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Schon im Herbst 2004 waren zwei Ver-treter des ISG in Varanasi – siehe auch Ausgabe 4/2004 des ISG-Magazins, Seiten 2 bis 7.

Varanasi liegt am heiligen Fluss Ganges und ist eine Stadt mit einer zumindest dreitausendjährigen Nutzungskontinuität, ein Ort mit besonderer Ausstrahlung und Qualität für Hinduismus und Buddhismus. Es ist die Stadt, in die viele Inder als Pilger kommen, um hier ein Bad im lebensspendenden heiligen Fluss Ganges zu nehmen, in die sie aber auch reisen, wenn sie sich dem Tod nahe fühlen, um hier zu sterben. Daher gibt es zahlreiche Siechenhäuser und Orte, an denen die Verstorbenen verbrannt werden. Die Asche wird dann in den heiligen Fluss gestreut. In der Stadt wird aber auch die für das Leben so wichtige Sonne verehrt.

All das hat zu einer großen Zahl von Tempeln und Tempelchen, aber auch zu vielen großen Palästen entlang des Ganges geführt. Daneben gibt es auch mehrere Moscheen für das moslemische Drittel der Bevölkerung. Die Stadt dahinter ist dicht verbaut mit ursprünglich drei-, heute meist vier oder fünfgeschossigen Hofbauten. Die Gassen dazwischen sind sehr eng, meist nur 1,5 - 2,5 m breit. Manche der Gassen sind alte Pilgerwege durch die Stadt und von besonders vielen Tempelchen flankiert. Praktisch alle nach Osten führenden Gassen enden an der relativ hohen Geländekante zum Ganges in den so genannten Ghats, oft sehr steilen, zum Fluss hin breiter und flacher werdenden Stufenanlagen. Diese Treppenanlagen befestigen zugleich fast die gesamte rund 6 km lange Uferlinie, einen Erosionshang zwischen den Einmündungen der Nebenflüsse Varana und Asi, die der Stadt ihren Namen gaben.

Über den Ghats und auch z. T. auf Zwischenpodesten stehen viele Tempel und andere Gebetsstätten. Daneben erheben sich auf hohen Sockeln die prächtigsten Paläste von Varanasi. Heute führen gerade hier viele Aufstockungen auf bestehenden Objekten zu erheblichen Störungen der Ensemblewirkung und gefährden durch ihr erhöhtes Gewicht auch die Stabilität des Untergrundes und so die weltberühmten Ghats. In einer der nächsten Nummern des ISG-Magazins werden wir noch ausführlicher über das Ergebnis der Arbeit für Varanasi berichten.


Hasso Hohmann





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