Projekt zur Erhaltung und Sanierung des historischen Nablus, Palästina



Zerstörung durch die Israelis! Nablus liegt in Palästina im Westjordanland auf etwa 550m Seehöhe an einem Pass zwischen Mittelmeer und Jordantal. Die Stadt hat etwa 200.000 Einwohner und ist schon lange die kulturelle Hauptstadt der ganzen Region. Das historische Zentrum von Nablus umfasst etwa 40 ha und ist ein riesiger Organismus mit pulsierendem Leben. Hier wohnen noch viele Menschen. Handel und Kleingewerbe, Gewürz- und Seifenfabriken, Moscheen und öffentliche Bäder geben dem steinernen Ensemble einen hohen, auch funktionellen, Stellenwert in der Stadt.

Eine durch Fritz Edlinger von der "Society for Austro-Arab Relations" initiierte und vom Internationalen Städteforum Graz sowie der Technischen Universität in Graz 1997 durchgeführte Studie zur Sanierung des Zentrums von Nablus ergab, dass das Altstadtensemble ein Resultat aus vielen Zerstörungen, vor allem durch oft heftige Erdbeben und Jahrhunderte von Bautätigkeit ist. Ein noch relativ hoher Prozentsatz der Bausubstanz und auch der Verlauf der Strassen selbst gehen auf die flavisch-römische Stadtanlage 72 n.Chr. zurück. "Flavia Neapolis", aus dem sich auch der heutige Name ableitet, war aber nicht die erste Stadt an dieser Stelle. Sie wurde unter den Römern an Stelle einer Stadt mit damals bereits weit über 2.000-jährigen Kontinuität völlig neu konzipiert. Erhaltung und Sanierung des historischen Kerns und auch der archäologischen Reste aus der früheren Geschichte sind von internationalem Interesse.

Ein jüngst von der Europäischen Union bewilligtes und hoch dotiertes Projekt zielt u.a. auf die Adaptierung eines wichtigen Gebäudekomplexes, einer alten vom Erdbeben 1927 zerstörten und verfallenen Karawanserei am Rande der Altstadt und die weitere Verbesserung der Infrastruktur. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung des Altstadtensembles. Das Projekt kann wohl auch als ein weiteres Zeichen gewertet werden, dass Europa die Chance zu einer aktiven Friedenspolitik in Palästina wahrnimmt.

Das Österreichische Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten hat inzwischen in Kooperation mit der Stadtgemeinde Nablus ebenfalls ein Projekt zur Erhaltung und Sanierung der historischen Altstadt in Angriff genommen. Es wird vom Internationalen Städteforum Graz in Kooperation mit Fachleuten an der Technischen Universität Graz abgewickelt, die einschlägige Erfahrungen haben.

Das Projekt zielt auf eine monographische Dokumentation des Bestandes, eine Bewertung der historischen Substanz, eine Beurteilung des Erhaltungszustandes und will städtebauliche Rahmenbedingungen für das neue Bauen im und vor allem um das historische Zentrum festlegen. In einem Massnahmenkatalog werden bis ins Detail Verbesserungsvorschläge gemacht und ein Gesetz für die Altstadterhaltung ausgearbeitet, bei dem auch u.a. die Erfahrungen mit der Altstadtarbeit in Graz einfliessen werden. Damit soll eine der Voraussetzungen für einen Antrag zur Eintragung des Zentrums von Nablus in die Welterbeliste der UNESCO erfüllt werden.

Dieses Zentrum könnte eine touristische Attraktion für das Westjordanland sein. Weitab von den gewöhnlichen Touristenströmen in Palästina gelegen ist es seit langem dem Verfall preisgegeben.

HH

Diesem Projekt ist das ISG-Magazin 3/2001 gewidmet! Ein weiterer Text zum Thema aus dem

ISG-Magazin 1/97



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