Antje Senarclens de
Gracy, Heidrun Zettelbauer (Hg), Architektur.Vergessen. Jüdische Architekten
in Graz. |
Der Titel lässt eine Dokumentation des
„jüdischen Anteils“ in der Grazer Architekturgeschichte erwarten. Doch schon
im Vorwort halten die beiden Herausgeberinnen ihr Anliegen fest, das
Vergessen selbst zu thematisieren. Am Beispiel von Architektur und den
Biografien von Architekten soll die Frage nach der Vielschichtigkeit und den
Mechanismen des Tradierens aufgeworfen werden. Die AutorInnen nähern sich
der Frage interdisziplinär aus den Bereichen Kunstgeschichte, Geschichte,
Architektur, Kulturanthropologie und Europäischen Ethnologie.
Der Fokus liegt auf fünf, in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in Graz errichteten Bauten: das erste Grazer Arbeitsamt, das Margaretenbad, die Zeremonienhalle am Israelitischen Friedhof, das Kinderheim Lend sowie die genossenschaftlich errichtete Stadtrandsiedlung Amselgasse. Gemeinsam ist diesen Bauten, dass sie ganz oder nahezu abhanden gekommen sind. Den Architekten und Baumeistern dieser Gebäude – Alexander und Bruno Zerkowitz, Eugen Székely und Franz Schacherl – ist die jüdische Identität gemeinsam und dass sie lange aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden waren. Die aus unterschiedlichen Blickwinkeln von 15 AutorInnen hervorgegangenen Texte – auch als „Splittertexte“ bezeichnet – wollen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Das zugrunde liegende Konzept wirft ganz grundsätzlich die Frage nach der Vielschichtigkeit des Gedächtnisses materieller Orte und Spuren auf und bemüht sich um verschiedenste Zugänge. Ein anspruchsvolles Buch, das sich vorwiegend an ein interessiertes Fachpublikum richtet.
Dr. Wiltraud Resch |
|
![]() Tobias Daniel Wabbel, Die Templerkathedrale. Der Geheimcode von Chartres. Hardcover im Format 14 x 22 cm. 254 Seiten mit 35 Schwarzweiß-Abbildungen. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2012, ISBN-13: 978-3-579-06567-0, € 20.60 |
Der auf naturwissenschaftliche und
theologisch-philosophische Grenzfragen spezialisierte Autor Tobias Daniel
Wabbel hat sich bereits in seinem 2010 erschienenen Buch „Der Templerschatz“
auf die Spurensuche nach den geheimnisvollen Bauprinzipien der gotischen
Kathedralen begeben. Standen in diesem Buch die Kathedralen St.Denis,
Chartres und Laon im Mittelpunkt, so konzentriert sich der Autor in dem nun
vorliegenden Buch auf die Kathedrale von Chartres. Unter den nahezu 150 zwischen 1150 und 1250 errichteten bzw. begonnenen Kathedralbauten in Frankreich ist sicher jene von Chartres am faszinierendsten. Sie ist nicht nur die erste, in der die Gotik ihre Vollendung fand, sondern auch die interessanteste. Für Wabbel bedeutet die Bauplastik des West- und Nordportals den Schlüssel für die Kathedrale. In den Darstellungen der sieben freien Künste an zentraler Stelle und in der Kapitellplastik findet er Hinweise auf die berühmte Schule von Chartres, die sich auch mit jüdischer Gelehrsamkeit, den mythischen Zahlender Pythagoräer und der Ideenlehre Platons auseinandersetzte. Die dem Bau zugrunde liegenden Maße sowie die Ikonografie der Portale geben dem Autor Auskunft über die Finanziers, Organisatoren, Bauplaner und Steinmetzen. Vor allem weisen sie auf eine Kathedrale unter der Kathedrale und führen schließlich zu sensationellen Erkenntnissen über die alttestamentarische Bundeslade mit den Gesetzestafeln. Das Buch von Tobias Daniel Wabbel präsentiert sich als spannende Lektüre. Dies gilt sowohl für Leser, die sich in diesem Buch erstmals mit dem 12. und 13. Jahrhundert auseinander setzen, wie auch für Fachleute, die durch Hinweise auf unscheinbare, aber äußerst aussagekräftige Bauplastik und einen umfangreichen Literaturhintergrund auf ihre Rechnung kommen. Dr. Wiltraud Resch |
|
![]() Ursel Borstel, Elke Papouschek, Veronika Schubert: Die schönsten Gärten Österreichs entdecken. Hardcover im Format 23,5 x 28,5 cm. 207 Seiten, Bildband in Farbe mit Begleittext. Deutsche Verlags-Anstalt, ISBN: 978-3-421-03841-8, € 39,90 |
Wie der aus Fernsehen und Radio bekannte
Biogärtner Karl Ploberger in seinem Vorwort hervorhebt, verbindet man
Österreich mit Kulturstätten und alpinen Paradiesen, jedoch weniger mit
Gartenanlagen. Das Buch beweist jedoch, dass Österreich in den letzten
Jahrzehnten zu einem Geheimtipp für Gartenliebhaber geworden ist. 26 Gärten
zwischen Bodensee und Neusiedlersee wurden ausgewählt, die vom heimischen
Bauerngarten über mediterrane Gartenanlagen bis zu englischen Cottagegärten
alle Facetten widerspiegeln.
Schon das erste Durchblättern bedeutet ein Vergnügen aufgrund der qualitätsvollen, großteils ganz- oder doppelseitigen Abbildungen, die von Ursel Borstell, der bekanntesten Gartenfotografin im deutschsprachigen Raum, stammen. Der Kreativität der Gartenbesitzer scheinen keine Grenzen gesetzt, ob die Gärten kunstvoll gestaltet, natürlich wirkend oder sogar mit alten Möbeln angereichert sind. Vorwiegend haben sich die Besitzer und Besitzerinnen ihr Fachwissen autodidaktisch, mit viel Freude am Experimentieren angeeignet. Den beiden Gartenbautechnikerinnen Veronika Schubert und Elke Papouschek gelingt ein Begeleittext, der fern von jedem Fachjargon die Eigentümlichkeiten und Wunschvorstellungen der Gartenbesitzer bei der Anlage ihrer Gartenträume vermittelt. Arrangements von Blumenstauden mit ausgeklügeltem Farbenspiel sind klar verständlich beschrieben, so dass einer Nachahmung nichts im Wege steht. Genaue Adressen- und Zeitangaben für Besichtigungen bieten außerdem die Möglichkeit, sich vor Ort von den Gartenanlagen bezaubern zu lassen. Sollte jemand noch kein Gartenliebhaber sein – nach dem Durchblättern dieses Buches ist er es gewiss. Dr. Wiltraud Resch |
|
![]() Christoph Mäcker, Wolfgang Sonne, Hg. Deutsches Institut für Stadtbaukunst: Konferenz zur Schönheit und Lebensfähigkeit der Stadt. Format 21 x 25 cm, 200 Seiten, zahlreiche Schwarzweiß-Abbildungen. Verlag Niggli AG, Sulgen/Zürich 2011. Softcover ISBN 978-3-7212-0778-1. € 38,-
|
Das vorliegende Buch ist das Ergebnis einer
Konferenz, die das Deutsche Institut für Stadtbaukunst an der Technischen
Universität Dortmund am 11. und 12. März 2010 in der Rheinterrasse in
Düsseldorf veranstaltet hatte. Bei diesem Treffen handelte es sich nicht um
das Treffen eines Fachzirkels, sondern erstmalig setzten sich die
Konferenzakteure aus Architekten, Stadtplanern, Soziologen, Journalisten,
Philosophen, Politikern und Verkehrsplanern zusammen.
Den Ausgangspunkt für die Konferenz bildet die Tatsache, dass in den letzten sechzig Jahren kein nennenswerter Platzraum entstanden ist, der in seiner Qualität mit einer Piazza Navona, der Place des Vosges oder irgendeinem namenlosen mittelalterlichen Platz zu vergleichen wäre. Wie an den Bürgerprotesten der letzten Jahre ersichtlich, beginnt die Gesellschaft dies auch wahrzunehmen. Eines der Grundübel verfehlter Stadtplanung wird allgemein in der fehlenden Gemeinsamkeit aller Beteiligten gesehen. Schon an den Titeln der Beiträge mit Diskussionen lassen sich die unterschiedlichen Zugänge zur Thematik Stadtraum erkennen. Komplexität statt Reduktion (Stadttheorie). Stadtquartier statt Wohnsiedlung und Gewerbepark (Stadtgesellschaft). Stadtbürger als Gestalter statt anonymer Immobilienwirtschaft (Stadtpolitik). Städtebau statt Fachplanung (Stadtbild). Stadtstraßen statt Autoschneisen (Stadtverkehr). Gebautes Ensemble statt individualistischer Eventarchitektur (Stadtarchitektur). Einzelhandel statt Ketten (Stadtökonomie). Langfristige Stadtkultur statt kurzfristiger Funktionserfüllung (Stadtgeschichte). Denkmalpflege statt Branding (Stadtidentität). Nachhaltig bauen statt schnell verpacken (Städtische Umwelt). Diese zehn Themenkreise sind am Ende der Publikation als „Zehn Grundsätze zur Stadtbaukunst heute“ kurz und prägnant zusammengefasst. Das veranstaltende Institut verfolgt das Ziel, die in den letzten Jahrzehnten auseinander gedrifteten Disziplinen Architektur, Stadtplanung, Raumplanung Verkehrsplanung und Tiefbau wieder zusammenzuführen. Auch wenn speziell die städtebauliche Situation in Deutschland angesprochen wird, lässt sich die Problematik auf die meisten Städte Mitteleuropas übertragen. In diesem Sinne ist die Publikation für jeden, der sich mit Stadtbaukunst in Theorie oder Praxis auseinandersetzt, sehr empfehlenswert. Dr. Wiltraud Resch |
|
![]() Owen Hopkins, Architektur - das Bildwörterbuch: Die wichtigsten Begriffe, Bautypen und Bauelemente, Paperback mit Klappenbroschur im Format 26,8 x 21,2 x 1,6 cm, 176 Seiten mit 450 Abbildungen, davon 250 in Farbe, DVA Architektur, München 2012, ISBN: 978-3-421-03868-5, € 30,90
|
Das Bildwörterbuch des Kunst- und
Architekturhistorikers Owen Hopkins mag zwar nicht so ausführlich sein wie
jenes von Koepf/Binding, jedoch besticht es mit seiner reichhaltigen
Sammlung an erläuternden Fotografien und Abbildungen.
Der Hauptteil des Buches besteht in einer themenmäßigen Gliederung. In seinem ersten Kapitel geht der Autor auf die unterschiedlichen Bautypen wie Tempel, Kirchen, Villen bis hin zu Hochhäusern ein. Dann geht er weiter ins Detail indem er die unterschiedlichen Baukonstruktionen wie Säulen, Bögen aber auch Beton und Stahlkonstruktionen behandelt. Abschließend zeigt er die diversen Architekturelemente auf, wie Mauerwerk, Oberflächengestaltungen, Fenster-, Tür- und Dachformen, aber auch Treffen, Rolltreppen und Aufzüge.Eine klassische alphabetische Auflistung der Fachbegriffe mit ihren Erklärungen findet sich zusätzlich hinten im Glossar. Insgesamt schafft es der Autor sehr gut dem Leser die unterschiedlichen Stile von der Antike bis zur Gegenwart näherzubringen.Dieses Buch dient, mit seiner klaren und sehr übersichtlichen Strukturierung, Kunsthistorikern,Architekten und allen kunstgeschichtlich Interessierten als hervorragender Einstieg zur Beschreibung von Bauwerken sowie zum Verständnis der kunsthistorischen und architektonischen Fachliteratur. Mag. Ute Hörmann |
|
![]() Pfammatter, Ulrich; Bauen im Kultur- und Klimawandel. Green traditions - clean future. Paperback, 28,0x22,8cm, 412 S. über 1800 Abbildungen, vdf Hochschulverlag, ISBN 978-3-7281-3395-3, € 74,- (D), (85,00 CHF)
|
Wie schon in seinem Buch „In die Zukunft
gebaut“ nimmt sich Ulrich Pfammatter in seinem neuen Werk „Bauen im Kultur-
und Klimawandel“ einem überaus aktuellen Thema mit einer reichhaltigen Fülle
an Beispielen und Bildmaterial an. Es geht um die Frage, wie man Bauten dem
ständigen kulturellen Wandel, den veränderten Umweltbedingungen bzw. den
jeweils vor Ort vorhandenen ökonomischen Möglichkeiten anpassen kann. Ausgehend von der Problemstellung, was einen ganz bestimmten Ort in einer Stadt oder Region so unverwechselbar macht, geht er über zu der Frage ob so ein identitätsstiftender Ort auch bewusst erzeugt werden kann und wie dies durch die Adaptierung und Weiterentwicklung vorgefundener regionaler Bautechniken gelingen kann. Im Kapitel „Bauen in Extremsituationen“ geht es darum, wie man für Regionen, die immer wieder mit Gefahren und Katastrophen konfrontiert sind, bauliche Vorsorgestrategien entwickeln kann. Nicht allzu weit von dieser Thematik entfernt ist die Frage, was wir von älteren bzw. früheren Kulturen lernen können wenn es um Anpassungsstrategien auf extreme Umwelteinflüsse, wie Hitze oder Kälte geht und was wir uns davon, umgelegt auf die heutigen klimatischen und energetischen Anforderungen, abschauen können. Nach einem Abschnitt über natürliche Baustoffe und Entwicklungen in der Materialtechnologie, geht Ulrich Pfammatter darauf ein, was wir von der Natur an Ideen für die Baukultur der Zukunft direkt übernehmen können. Im letzten Kapitel geht es um den sensiblen Umgang mit den ihres ursprünglichen Zwecks verlustiert gegangenen Bauten unserer Industriekultur und wie man sie einem neuen Sinn zuführen kann. Bei den erläuternden Beispielen greift er nicht nur auf aktuelle Bauten zurück, sondern auch auf teilweise nicht mehr vorhandene Konstruktionen der Vergangenheit, aber auch auf rein theoretisch gebliebene Baukonzepte. Erläutert durch Konstruktionszeichnungen und Fotografien und mit Hinweisen zu weiterführender Literatur, hat man ein überaus gut verständliches Lehr- und Handbuch für jeden, der sich für dieses Thema interessiert, vor sich. Mag. Ute Hörmann |
|
|
Bundesamt für Kultur Hg.; Bärtschi, Hans-Peter, Bonnet, Charles; Cardani Vergani, Rossana, Gnehm, Hans Jürg, und viele weitere: Patrimonium. Denkmalpflege und archäologische Bauforschung in der Schweiz. gebunden, deutsch/französisch/italienisch, 803 Seiten, gta Verlag 2010, ISBN 978-3-85676-179-0. € 62,- (90.00 CHF) |
Das vom Schweizer Bundesamt für Kultur
herausgegebene Werk richtet sich sowohl an Fachleute der betreffenden
Bereiche sowie an ein breites interessiertes Publikum. Ziel war es, die
zwischen 1950 und 2000 gültigen Kriterien und Beweggründe der Denkmalpflege
und der archäologischen Bauforschung in der Schweiz aufzuzeigen und diese in
ihrem kulturellen Kontext zu würdigen.
Es handelte sich hierbei um eine überaus bewegte Epoche, bedenkt man die enorme Bau- und Restaurierungstätigkeit nach dem zweiten Weltkrieg, das 2. Vatikanische Konzil (1962-65) in dessen Zuge zahlreiche Liturgiebereiche in katholischen Sakralbauten umgestaltet wurden, oder auch die zahlreichen archäologischen Grabungen, die der Bau des Nationalstraßennetzes mit sich brachte. So wird es aber auch sehr gut nachvollziehbar wie sich im Laufe der Zeit auch die Motivik des Denkmalschutzes so nach und nach änderte. Das Buch ist in zwei Hauptbereiche gegliedert. Der erste behandelt die Archäologische Bauforschung, während der zweite genauer auf die Denkmalpflege eingeht. Nach einem Rückblick auf die Geschichte der Denkmalpflege in der Schweiz, werden von namhaften Fachautorinnen und - autoren einzelne Spezialgebiete genauer behandelt, wie z.B. der ländliche Baubestand, Industriedenkmäler, historische Gartenanlagen, Glasmalerei oder auch die Orgel- und Glockendenkmalpflege. Mit den Beiträgen zu Öffentlichkeitsarbeit und Inventarisierung wird auch auf die Anforderungen der heutigen Zeit eingegangen. Abgeschlossen wird die Publikation mit einem Epilog von Werner Oechslin, der Ansätze einer nationalen Kulturpolitik gibt. Das vorliegende Werk schafft es sehr gut die Denkmalpflege im Spannungsfeld zwischen der Bewahrung der Vergangenheit und den Bedürfnissen der Zukunft herauszuarbeiten. Das gesamte Werk wird durchgehend durch ein sehr reichhaltiges und gut erläuterndes Bildmaterial ergänzt. Die Fußnoten der einzelnen Beiträge liefern eine großen Fundus an weiterführender Literatur. Überaus interessant sind auch die im Anhang aufgelisteten für den Bereich der Denkmalpflege relevanten rechtlichen Grundlagen, wie Internationale Abkommen, Gesetze und Verordnungen. Mag. Ute Hörmann |
|
![]() Ulrich Conrads und Peter Neitzke, Hg.; A.v. Buttlar, G. Dolff-Bonekämper, M. S. Falser, A. Hubel, G. Mörsch; Denkmalpflege statt Attrappenkult. Reihe Bauwelt Fundamente Nr. 146. Taschenbuch, 218 Seiten, Verlag Birkhäuser 2011, ISBN 978-3-0346-0705-6. € 24,90 (D) |
Die Reihe Bauwelt Fundamente ist
Architektur- und Kunstinteressierten hinlänglich bekannt als Quelle
hochqualifizierter Positionen zur Architektur und ihrer Geschichte. Denkmalschutz besteht nicht um
historisierende Konsumräume (auch als Stadträume) zu schaffen, sondern der
Denkmalschutz sichert gebaute Geschichte, Kultur und Kunst. Der Denkmalwert
ist kein beliebig festlegbarer, auch wenn die Wertschätzung der Architektur
vergangener Jahre schwankt. Der Wert steigt meist mit den Kenntnissen und
dem Wissen über eine Epoche und: der Wert ist in jedem Fall gebunden an die
Erhaltung der Originalsubstanz. |
|
![]() ©Ledl, ISG: Arch. Karl Hütter, Schneidergeschäft Naglergasse, Graz Olah, Stefan, Hg.; Österreichische Architektur der fünfziger Jahre. Gebunden, 160 Seiten, 150 großformatige farbige Abbildungen. Verlag Anton Pustet Salzburg, 2011, ISBN 978-3-7075-0649-0. € 29,00 (D) |
Stefan Olahs Fotos der Architektur der Nachkriegsmoderne bringen beeindruckende architektonische Qualitäten zum Vorschein, und stellen eine unmittelbare Aufforderung zur intensiven Auseinandersetzung mit der Architektur der 50er Jahre dar! Wie Bruno Maldoner in seinem Vorwort
beschreibt, sind viele Aspekte der 50iger Jahre Architektur dem
"Anknüpfen an internationale Entwicklungen" nach dem Naziterror
zuzuschreiben und nicht alle sind heute als gelungen zu betrachten. Aber
auch wenn die großen internationalen Namen der Architektur in dieser Zeit
nicht im politisch geteilten Österreich zu finden sind, so bestechen doch
viele noch erhaltene Bauwerke aus der Zeit durch eine großartige
Detailgenauigkeit. |
|
Kullack, Tanja, Hg.; Architektur eine weibliche Profession, Jovis Verlag, 2011, 190 Seiten, 120 Farbabbildungen, ISBN 9783868591149, € 28,-(D) |
Architektur als weibliche
Profession zu benennen ist eine mutige Aussage von Tanja Kullack und die
Aussage trifft wohl nur in den Hörsälen der Ausbildungsstätten zu. Dort
sitzen mitunter mehr Frauen als Männer in den Vorlesungen, Übungen und
Seminaren. GLS |
|
Elisabeth Brenner; Schloss Rohr. Ein ehemaliges Wasserschloss in der Steiermark (Hg. Forschungsstelle Kunstgeschichte Steiermark), Leykam Verlag Graz, 2010, 183 Seiten, 124 Farbabbildungen, ISBN 978-3-7011-0204-4, € 37,-(D) |
Bereits seit 11 Jahren publiziert die Forschungsstelle Kunstgeschichte Steiermark neueste Ergebnisse zu Studien über steirisches Kulturgut. Der hier vorliegenden Publikation liegt eine Diplomarbeit zugrunde, die Elisabeth Brenner an der Karl-Franzens-Universität Graz bei Margit Stadlober verfasste. Das in den Murauen des nördlichen Leibnitzer Feldes gelegene Schloss Rohr blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Im Mittelalter trug die Feste Rohr zur Sicherung des südlichen Zuganges nach Graz bei. In den Gefahrenzeiten des 15. und 16. Jahrhunderts war die von Wassergräben umgebene Talburg in das Kreidfeuersystem eingebunden und diente der Bevölkerung als Fluchtburg. 1651 erwarben die Zisterzienser der Zisterze Rein das Gut und bauten es in der Folge zu einem herrschaftlichen Schloss aus. Nach einer Glanzzeit, in der das Schloss 250 Jahre lang den Reiner Äbten als Sommerresidenz diente, begann ein kontinuierlicher Verfall. Im 20. Jahrhundert wurde die Anlage für landwirtschaftliche Zwecke genützt. Heute ist das Haus Wohnsitz einer Familie. Parallel zur kunsthistorischen Dokumentation des Schlosses nahm die Autorin die Zusammenarbeit mit Bauforschung und Denkmalpflege auf. Als Erfolg ist bereits zu verbuchen, dass mit Unterstützung des Bundesdenkmalamtes und des Revitalisierungsfonds des Landes Steiermark erste Sanierungsmaßnahmen getätigt werden konnten. Die umfassende interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem vom Verfall bedrohten Objekt kann als Maßstab für weitere Arbeiten in dieser Richtung gelten. Die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse hat das Ziel, weiterhin das Bewusstsein für das Schloss zu wecken – ein Kulturerbe, dessen Erhaltung im öffentlichen Interesse sein sollte. Dr. Wiltraud Resch |
|
Hölz, Christoph; Hauser, Walter; Weiterbauen am Land. Verlust und Erhalt der bäuerlichen Kulturlandschaft in den Alpen. Broschur, 232 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Studien Verlag, Innsbruck 2011, ISBN 978-3-7065-5003-1. € 19,90 (D,A, CHF 33,50) |
Weiterbauen am Land zeigt den großen Verlust an ländlicher Baukultur in den Alpen, aufgewogen durch hervorragende Projekte, die in den letzten Jahren im ländlichen Alpenraum zwischen Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien entstanden sind. Weiterbauen....ein Begriff, der gerade für den ländlichen Kulturraum aktuell ist, wie auch das Buch von Albert Kirchengast (s.u.) bestätigt, beschreibt einen Wandel, vor dem niemand seine Augen verschließen kann. Das von Christoph Hölz und Walter Hauser verfasste Buch zu den Veränderungen der ländlichen Kulturlandschaft und Baukultur in den Alpen besticht besonders durch seine hervorragende fotografische Dokumentation. Die einleitenden Essays zeichnen die Problematik eines Wandels nach, der nicht nur mehr in den Augen professioneller Architekturbetrachter und Kulturliebhaber von einer tiefgreifenden "Zerstörung" historischer Baukultur spricht, sondern gleichzeitig von einem Unverständnis und einer Unbedachtheit zeitgenössischer Baukultur gegenüber! Die Autoren haben in einzelnen Kapiteln sowohl Funktionsänderungen ländlicher Baudenkmäler dokumentiert, sowie die jeweilige Position des Bauherrn berücksichtigt. So unterscheiden sie, ob ein Stall nach dem Umbau noch Stall bleibt, oder für eine gänzlich neue Funktion - z.B. eine touristische - genutzt wird; sie unterscheiden aber auch, ob ein Bauer ein historisches Haus erneuert, oder ob ein Städter sich seinen "Traum vom Haus am Land" erfüllen möchte und diese Idee in der Übernahme eines historischen Hauses realisiert. Die Autoren zeigen in beeindruckenden Dokumentationen Kleinode von großem Wert, die in den letzten Jahren gerettet werden konnten und demonstrieren, dass der "Verkauf" eines historischen und viel. schon lange leer stehenden Gebäudes nicht dessen Ende, sondern ein Neuanfang für einen ganzen Ort sein kann. Nichts ist überzeugender, als ein gutes architektonisches Vorbild! GSL
|
|
Pechlaner, Harald; Schön, Silvia, Hg.; Regionale Baukultur als Erfolgsfaktor im Tourismus. Nachhaltige Vermarktung von Destinationen; Broschur, 136 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-503-12430-5. € 36,- (A), € 34,95 (D), ( CHF 45,-) |
Baukultur als Bedeutungsträger für die Identität einer Region ist mitentscheidend für den erfolgreichen Tourismus einer solchen. Das hat nicht zuletzt auch das ISG Symposium 2011 zum Thema "Denkmalpflege/Baukultur - Tourismus" gezeigt und findet sich in ähnlich gelagerten Projekten, die in der Publikation vorgestellt werden. Dem Wert des "Regionalen" - sei es beim Wohnen, der Landschaft, dem Essen - wird seit einigen Jahren wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Im Zuge der Globalisierung wird plötzlich zum "Besonderen" was Jahrzehnte lang das Althergebrachte war, das als altmodisch und gewöhnlich galt. Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die regionale Architektur, denn Sie ist wohl der landschaftsprägendste Teil. Erst seit einigen Jahren wird wahrgenommen, dass die Veränderungen der Landwirtschaftsstrukturen große Landstriche umgestalten und damit bekannte und tradierte Bilder von Kulturlandschaft verloren gehen oder verändert werden. Das Potential für eine positive Entwicklung und touristische Vermarktung liegt in beiden Elementen: im Erhalten des wertvollen Alten und im Weiterentwickeln und z.T. neu bauen! Wie stark historische Räume wirken können, die revitalisiert und erneuert wurden, ist oftmals besonders für die Besitzer von lange Zeit leer stehenden landwirtschaftlicher Gebäude überraschend. Dort, wo nur mehr historische Teile erhalten sind, oder deren Erhaltung nicht mehr möglich ist, sollte zeitgenössische Architektur positioniert werden, die sensibel mit der Kulturlandschaft und den regionalen Bautraditionen arbeitet; das zeigt v.a. Elisa Innerhofer in ihrem Essay zur Rolle von Architektur und Design im Tourismus der ländlichen Kulturlandschaft. So kann das historisierende Nachbauen tradierter Strukturen oder Gebäude nicht erfolgversprechend sein, sondern dort, wo Altes verloren ist, sollte mit Neuinterpretationen der traditionellen Kultur gearbeitet werden und so die regionale Identität weitergeformt werden! Die verschiedenen Erfolgsmodelle, die in der Publikation vorgestellt werden zeigen, dass Baukultur ein wandelbarer Begriff ist, dessen Bedeutung v.a. im Tourismus viel größer werden muss! GSL |
|
Christoph Mäcker, Wolfgang Sonne, Hg. ( Deutsches Institut für Stadtbaukunst): Dortmunder Vorträge zur Stadtbaukunst Band 3. Format 21 x 25 cm, 88 Seiten, zahlreiche Schwarzweiß-Abbildungen. Verlag Niggli AG, Sulgen/Zürich 2010. Softcover ISBN 978-3-7212-0750-7. € 19,50 (D) |
Das Deutsche Institut für Stadtbaukunst widmet
sich der Erforschung und Lehre der Kunst des Städtebaus und knüpft damit an
den jungen Urbanismus des frühen 20. Jahrhunderts an. Das Institut hat sich
zum Ziel gesetzt, die in den letzten Jahrzehnten auseinandergedrifteten
Disziplinen Architektur, Stadtplanung, Raumplanung, Verkehrsplanung und
Tiefbau wieder zusammenführen. Die vorliegende dritte Publikation des
Institutes beinhaltet sechs Vorträge, die am 11. Dezember 2009 an der TU
Dortmund gehalten wurden. Eingangs gibt der Kunsthistoriker Jörn Düwel in seinem Beitrag „Die Sehnsucht nach Ordnung in der Stadt“ einen Überblick zur Ideengeschichte des Städtebaus im 20. Jahrhundert in Deutschland. Er geht vor allem auf die Träume der Nachkriegsgeneration ein, die es als einmalige, nie wiederkehrende Chance sah, auf den Trümmern der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Altstädte gesunde neue Städte zu errichten. Walter Siebel stellt die Frage „Was kann Urbanität heute bedeuten?“ und kommt zu dem Schluss, dass Urbanität auf Spannungsverhältnissen beruht – die europäische Stadt hat zwei mythische Gründungsväter: Hippodamos, den Erfinder des rationalistischen Straßenrasters von Milet und Dädalos, der das Labyrinth von Knossos erbaut hat. Als stadtplanender Philosoph untersucht Michael Mehaffy in seinem Beitrag „What is Sustainable Urbanism? An Introduction to Concepts, Metrics und Strategies“ das breite Feld städtebaulicher Nachhaltigkeit. „Das private Projekt Stadt“, ein Beitrag des Projektentwicklers und Bauträgers Klaus Groth, beschäftigt sich mit der Rolle des Unternehmers bei der Gestaltung von Stadtquartieren. Während sich ursprünglich öffentliche Hand und private Bauträger als Pole in einem Spannungsfeld gegenüberstanden, haben sich beide nach einem langwierigen Prozess aufeinander zu bewegt. Im Beitrag „Schöne Städte“ stellt sich Ludger Wilde den Herausforderungen der Praxis am Beispiel der Stadt Dortmund und berichtet unter anderem über den Gestaltungsbeirat als Qualitätssicherungsinstrument. Abschließend legt Vittorio Magnago Lampugnani, Professor für Geschichte des Städtebaus in Zürich und Leiter eines Architekturbüros in Mailand, in seinem Beitrag „Erhalten, entrümpeln, verdichten“, die drei entscheidenden Aufgaben für die europäische Stadt des 21. Jahrhunderts dar. Die aus unterschiedlichen Blickrichtungen zusammengesetzten Beiträge zeigen Chancen und Gefahren für die Stadt auf: „Die städtische Stadt wird bewahrt, indem an ihr weitergearbeitet wird“ (S.83). Auch wenn konkrete städtebauliche Situationen angesprochen sind, lässt sich die Problematik auf die meisten Städte übertragen. In diesem Sinne ist die Publikation für jeden, der sich mit Stadtbaukunst in Theorie oder Praxis auseinandersetzt, empfehlenswert. Dr. Wiltraud Resch |
|
Edward Hollis: Kurze Geschichte des Abendlandes in 12 Bauwerken. Format 14 x 22 cm, 399 Seiten, 13 Schwarzweiß-Abbildungen. Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2010. Hardcover ISBN 978-3-550-08815-5. € 22,95 (Die Originalausgabe erschien 2009 unter dem Titel „The Secret Lives Of Buildings“ bei Portobello Books Ltd. London) |
Das 1840 entstandene Gemälde „Der Traum des
Architekten“ mit einem idealisierenden Gefüge aus ägyptischen, griechischen
und gotischen Bauwerken dient als Ausgangspunkt und roter Faden für das
Buch. Der Autor Edward Hollis, ein in Edingburgh lehrender Architekt, möchte
zeigen, dass die Geschichte der Architektur nichts mit diesen makellosen,
von jeglichem Wandel unberührten Bauwerken der Vergangenheit zu tun hat. Die
großen Bauwerke währen viel länger als die Zwecke, für die sie erbaut
wurden. Sie müssen zahllose Verstümmelungen, Ergänzungen, Teilungen über
sich ergehen lassen und es dauert nie lange, bis ihre Formen und ihre
Funktionen nur noch wenig miteinander zu tun haben.
Schon am ersten Beispiel, dem Parthenon in Athen, wird deutlich, dass das Bauwerk unzählige Male erobert, zerstört und überformt wurde und dennoch bis heute für ein Ideal an Schönheit und Weisheit steht. Der folgende Bogen spannt sich von der Basilika San Marco in Venedig über die Ayasofya in Istanbul, das Heilige Haus in Loreto, die Kathedrale von Cloucester, den Tempio Malatestiano in Rimini, Sancouci in Potsdam, Nortre Dame in Paris, The Hulme Crescents in Manchester bis zur Berliner Mauer. Der Wandel der Bauwerke ist untrennbar mit ihren Besitzern verbunden. Mit jeder Veränderung wird das Bauwerk „neu erzählt“. So wurde die Ayasofia als byzantinische Hagia Sophia erbaut, nach Erdbeben erneuert, später in eine Moschee und zuletzt in ein Museum umgewandelt. Die Berliner Mauer wurde abgebrochen und lebt doch in unzähligen, über die ganze Welt verstreuten Steinen als Souvenir weiter. Dass Wandlung gut und richtig ist, weist der Autor in einem Schlusskapitel über Venedig in Las Vegas nach, das von Jahreszeiten und Überschwemmungen befreit, immer in eine romantische Abendstimmung getaucht wird. Das Buch ist flüssig und leicht lesbar geschrieben. Es erfordert keine fachlichen Vorkenntnisse. Ausgezeichnete Recherchen und Hintergrundinformationen, gewürzt mit einer Prise englischen Humors, machen die Lektüre aber auch für geschulte Architekturkenner zu einem Genuss und stimmen nachdenklich über das in einschlägigen Fachbüchern völlig steril wiedergegebene Bild historischer Bauwerke. Dr. Wiltraud Resch |
|
Burghauptmannschaft Österreich (Hrsg.) Benedikt Sauer, Hofburg Innsbruck Franz. Broschur im Format 16,6 x 25 cm, 128 Seiten mit ca. 100 Abbildungen in Farbe, deutsch/englisch/italienisch/französisch, Bibliographie, Chronologie, 1. Auflage, Folio Verlag, Wien/Bozen 2010, ISBN 978-3-85256-536-1, € [D/A] 12,90 / € [I] 12,20 / sFr 20,50 |
Mit dem vorliegenden Band erscheint ein
umfassendes Werk über die Geschichte und die Bedeutung der ehemaligen
Residenz Kaiser Maximilians. Die Hofburg in Innsbruck ist neben Schloss
Schönbrunn und der Hofburg in Wien die dritte bedeutende Habsburgerresidenz
und zählt zu den kulturhistorisch wichtigsten Bauten Österreichs und des
Alpenraumes. Über 500 Jahre war sie die Burg der Habsburger, für deren
heutige Ausdehnung Kaiser Maximilan sorgte und ihr heutiges Aussehen ist
sehr stark geprägt von der barocken Ausgestaltung unter Maria Theresia.
Der Autor – Literaturwissenschaftler, Publizist, Journalist und Kolumnist – spannt mit diesem Band einen Bogen von den Anfängen der Hofburg unter Kaiser Maximilian über die barocke Umgestaltung unter Maria Thersia - wobei das Bildprogramm in den Prunkräumen, vor allem im Riesensaal verändert wurde, indem die Monarchin die eigene kinderreiche Familie in den Mittelpunkt stellt und ihre Herrschaft nicht nur durch das dynastische Erbe legitimiert - bis zur Ausstattung des Kaiserin-Elisabeth-Appartments im Stile des Zweiten Rokoko und zur Einführung eines regelmäßigen Museumsbetriebes im 20.Jahrhundert. Die Hofburg Innsbruck erstrahlt seit 2010 in einem neuen Glanz und präsentiert die Raumensembles in ihrer Originalausstattung, die einen guten Einblick in die Vergangenheit der Burg gibt. Politische, kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen vergangener Jahrhunderte lassen sich anhand ihrer Gestaltung sehr gut nachvollziehen. Dieser Band soll das Verstehen historischer Ereignisse und Begebenheiten ergänzen. Sehr gut zu lesen und mit Bildern belegt präsentiert sich die Geschichte der Hofbug als spannende und informative Lektüre, die sich nicht nur an Experten sondern auch an geschichtlich interessierte Personen richtet. Dr. Karin Enzinger |
|
![]() Österreichische Baukulturstiftung (Hrsg.), Albert Kirchengast; Weiterbauen - für eine besondere Baukultur. Leinen im Format 22,3 x 23,0 cm, 270 S., Verlag Raum.Kunst.Graz,, ISBN 978-3-9502351-4-2, € [D/A] 29,-
Rezension erstveröffentlicht auf GAT! |
Weiterbauen! Weiterbauen. Weiterbauen? Ein Buch
über die Steiermark zu schreiben und dabei keine Schablonen zu verwenden,
ist schon eine Kunst. Herbert Achternbusch hat einmal gesagt, „Heimat“ kommt
von „Hemad“, also Hemd, und so solle sie auch sein, nicht zu eng und nicht
zu weit. Albert Kirchengast legt ein Buch vor wie ein Hemad, das genau
passt. Es handelt von bemerkenswerten Häusern oder Bauten, die sich durch
längere Zeiten, also mehrere Jahrhunderte, durchgewurschtelt haben und noch
immer stehen, was ja sowieso ein Wunder ist. Es handelt von der
Beiläufigkeit, die sie erhalten hat, von Umständen, von ganz kritischen
Momenten, Zufällen, von der Liebe der Bewohner zu ihren Behausungen. Von
kritischen Geistern, die sich etwas abgerungen haben, Geld zum Beispiel und
Mühe, um ein Objekt zu erhalten und für unsere Zeit bewohnbar zu machen. Vom
Wahl haben und keine Wahl haben. Das Spannende ist, dass die Bewohner, die
Steirer, wer immer die sind, ihre Geschichten erzählen. Diese Geschichten
sind sehr gut recherchiert, der Herausgeber Albert Kirchengast war neugierig
und sorgfältig, das liest man heraus. Er ist aus Feldbach, hat in Graz
Architektur studiert und ist seit 2008 Assistent an der ETH Zürich. „Momentan gibt es noch Reste des Baubestandes, um den das Buch kreist.“, schreibt er. „Aber in Gebieten großen Siedlungsdrucks ist er längst gefährdet (…).“ Das Buch zieht aber viel weitere als diese Kreise, nämlich geschichtliche, industrielle; territoriale, beispielsweise mit der konzisen Beschreibung der Region südlich von Graz: „Allein in dieser Gemeinde gibt es ein Betonwerk, Asphaltwerk, Abfallverwerter, Mähdrescher- und Traktorenhandel und –Werkstätte, Autohändler, KFZ-Werkstätte, die Südautobahn läuft durch, die Pyhrnautobahn kommt zweispurig, nun kommt die Koralmbahn, die 380 KV-Leitung – jetzt soll dieses Stahllogistik-Center angesiedelt werden (…)“, erzählt eine Bewohnerin und Besitzerin eines renovierten Althauses in Wildon. Ist diese Darstellung oder dieser Blick nicht ein Hammer? Das Buch zieht ethnologische Kreise und handwerkliche, beispielsweise über die Kalkbrenner und den antibakteriellen Kalkputz in den Häusern; dann Nazikreise insofern, als es die Geschichte der Grazer Villa Oser in der Johann-Fux-Gasse aufrollt, die dem Grazer Nobelpreisträger Otto Loewi gehörte, den man bis Mai 1938 im Polizeigefängnis einsperrte und dann mit Berufsverbot belegte. Dem man sein Nobelpreisgeld wegnahm und die Villa und überhaupt alles, weil er Sondersteuern zahlen musste, „beispielsweise die Reichsfluchtsteuer und die sogenannte Judenvermögensabgabe“, wie in dem Buch steht. Die Kirchenkreise nicht zu vergessen, die Schlosskreise, die Literaturkreise, die Arbeiter- und Bauernkreise in der Obersteiermark. Das ergibt 28 ausgewählte exemplarische, genau analysierte und beschriebene Beispiele für erhaltene Bauten mit diversen Nutzungen, die sich bisweilen so auflösen „Das Äußere des Gebäudes ist fast gleich geblieben, aber die Einteilung der Räume wurde stark verändert (…). Wir haben damals zwei Zimmer gehabt mit ca. 36 Quadratmetern. (…) Ich kann gar nicht sagen, warum ich mein Leben hier eigentlich nicht beschließen wollte (…)“ (Die 86-jährige Aurelia S. über ihr Leben im „Prinzenhaus“, einem Senioren-Pflegezentrum in Vordernberg, in dem sie auch ihre Jugend verbracht hat.) Mit seinem neuen Buch La carte et le territoire( Landkarte und Territorium - Prix Goncourt 2010) rückt Michel Houellebecq den ländlichen und auch den Stadtraum in mehrere Perspektiven: Er lässt seinen Haupthelden Landkarten fotografieren, die der stofflich sehr geschickt mit der Urbanität zunächst verwebt und dann wieder herauslöst; er beschäftigt sich mit der Rezeption und Reinterpretation des ländlichen Raums und der Region durch Fernsehen und durch den Tourismus, mit der Rahmung und Umformulierung durch die Medien bis in eine nachindustrielle Zeit hinein. Kirchengasts stellt mit seinem Buch eine ähnliche Entwicklung dar, weniger literarisch zwar, aber die Art und Weise, wie er aus der Vergangenheit eine mögliche Zukunft schafft, der Rückgriff auf Geschichten und Bilder, ist sehr ähnlich – ganz abgesehen davon, dass er sehr ästhetisch und vorsichtig vorgeht. An einer Stelle beschreibt Houellebecq den ländlichen Raum, den Naturraum, als „subtile, komplexe, sich verändernde Mischung aus Wiesen, Feldern, Wald und Dörfern“, der gerecht zu werden schwierig sei – Kirchengast ist das gelungen. Maria Nievoll |
|
Karl A. Kubinzky, Historisches aus Graz. 2010, 264 Seiten., zahlreiche Abbildungen, Broschur, 24,0 x 16,8 cm, Leykam Verlag, ISBN: 978-3-7011-7694-6, € 24,20. |
Er ist eine Grazer Institution! Wer sich über
die Geschichte der Stadt Graz in Text und Bild informieren möchte, kommt an
seinen Werken nicht vorbei; wer zur Geschichte von Graz forschen möchte,
kommt ohne sein Archiv und sein Wissen nicht aus: Univ.Prof. Dr. Karl
Albrecht Kubinzky.
Seit vielen Jahren teilt Karl A. Kubinzky sein reiches Wissen mit den Leserinnen und Lesern der steirischen Zeitungslandschaft. Beinahe wöchentlich beschreibt er historische Stadtaufnahmen, begibt sich anlässlich aktueller Bauvorhaben auf die Suche nach der Geschichte eines Ortes und schafft eines immer ganz besonders: Spannende Schilderungen der Grazer Geschichte in allgemein verständliche Worte zu fassen! Der Sammelband "Historisches aus Graz" stellt nun einen Querschnitt aus diesen Beiträgen (erschienen im BIG=BürgerInneninformation Graz) dar, die vom Stadtrand bis ins Herz des Welterbes Altstadt Graz reichen und somit geographisch wie historisch interessante Momentaufnahmen zu einem Bild formieren. Skurrilitäten, tragische Momente mit großen Auswirkungen, alltägliches und vieles mehr findet sich in den Geschichten Kubinzkys. Interessant: Auf Seite 262 verweist der Autor auf öffentliche Einrichtungen (Archive, Bibliotheken etc) für Graz-Interessierte und gibt Literaturtipps zur Grazer Stadtgeschichte! Ein kurzweiliges, interessantes und informatives Lesevergnügen!
GSL |
|
![]() Günther Witzany (Hg.), Zukunftsfähige Stadt- und Verkehrsplanung. Wieviel Kohr braucht die City? Internationale Fachtagung der Leopold-Kohr-Akademie. Softcover im Format 14.8 x 21 cm, 128 Seiten mit 60 mehrfarbigen Fotos und Grafiken, Verlag Books on Demand GmbH, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-8391-7593-4, € 20,40. |
Anlass für Tagung und Publikation war der 100. Geburtstag des bekannten Philosophen Leopold Kohr, der 1909 in Oberndorf bei Salzburg zur Welt kam und 1994 in Gloucester in England verstarb. Kohr hatte sich bereits sehr früh grundsätzlich mit Fragen von Stadt- und Verkehrsplanung auseinandergesetzt. Seine Thesen sollten auf ihren Nutzen für die Lösung heutiger Probleme untersucht werden. Durch die Heraushebung der Verkehrsplanung aus der Stadtplanung verrät bereits der Titel des Buches eine starke Betonung der Verkehrsfragen in Hinblick auf Stadtplanung. Und tatsächlich ist Verkehrsplanung das Rückgrat der Stadtplanung. Die acht Beiträge der Autoren Günther Witzany, Hermann Knoflacher, Andreas Feldtkeller, Fritz Kobi, Heinz Kloss, Raimund Gutmann und Erik Schnaitl wollen zeigen, dass die Lösung vieler wesentlicher Probleme der Stadtplanung in der Festlegung des richtigen Maßstabes liegt. Es geht um die Massstäbe von städtischen Einheiten, von Gebäuden aber auch von Geschwindigkeit etc.; es geht um den Platzbedarf von Menschen im Ruhezustand und in Bewegung. Immer wieder wird der Zweck von Stadt hinterfragt. Hierbei ziehen sich die Thesen des Philosophen Kohr wie ein roter Leitfaden durch die Beiträge. Das Buch ist nicht zu umfangreich, gut lesbar geschrieben und manchmal fast etwas plakativ aufgemacht – was angesichts der vorgefassten Meinungen vieler Stadtplaner aber sicher notwendig ist. Es richtet sich an Experten für Stadt- und Verkehrplanung von Städten und Dörfern aller Größenordnungen. Dr. Hasso Hohmann
|
|
Hsg.: Österreichisches Bundesdenkmalamt, Lehne Andreas; Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege, Heft 1/2 2010, 224 S., zahlreiche farbige Abbildungen, kartoniert Berger Verlag Horn/Wien, ISSN AUT 0029-9626 |
Den Themenschwerpunkt dieser Ausgabe der ÖZKD
bildet die Wiener Stadt- und Burgbefestigung. Vom 30. November bis
1.Dezember 2009 veranstaltete die Kommission für Kunstgeschichte der
österreichischen Akademie der Wissenschaften eine Tagung zum Thema „Die
Wiener Burgbefestigung“. Den Anlass dazu bot der 200. Jahrestag der
Sprengung dieser Anlagen durch französisches Militär im Jahre 1809. Diese
Tagung liegt der vorliegenden Publikation zugrunde, wurde jedoch durch
Beiträge verschiedener Disziplinen ergänzt. Dadurch wird ein prima vista
militärhistorisches Thema auch aus bauarchäologischem, kunsthistorischem
und kulturwissenschaftlichem Blickwinkel beleuchtet.
18 Einzelabhandlungen spannen den Bogen von der Hofburg als Festung über die verschiedenen Stufen der Wiener Stadtbefestigungsanlagen bis zu deren gärtnerischer Umgestaltung als „Modepromenaden“ und Ort der Erholung für die Bevölkerung. Nach einer Dokumentation über die Planungen für Ringstraße und Kaiserforen anstelle der geschliffenen Befestigungsanlagen schließt der Bogen mit einem Blick auf rekonstruierte Stadtmauern und Basteien in Historienfilmen. Der Beitrag zur Grazer Stadtbefestigungsanlange bringt für den interessierten Leser leider keine neuen Erkenntnisse und keinen Vergleich zur Wiener Befestigungsanlage. Umfangreiche Beigaben an historischen Plänen und Zeichnungen sowie Bilder der Abbruchsarbeiten aus der Frühzeit der Fotografie und ein Glossar zur Befestigungstechnik runden diese umfassende Publikation ab. Die breit gestreute Darstellung und Dokumentation der Wiener Stadtbefestigung bis zu deren völligem Verschwinden im Stadtbild geht weit über die rein militärische Bedeutung dieser Anlagen hinaus und wird jeden Leser ansprechen, der sich für Stadttopograpie im weiteren Sinne interessiert. Dr. Wiltraud Resch
|
|
![]() Markus Landerer, Claus Suess, Robert Schediwy. Wiener Wahrzeichen. Verschwunden, entstellt, bedroht. Broschüre im Format I, Ill. ; 21 cm, 174 S., Wien ; Berlin ; Münster : Lit-Verlag 2010, 978-3-643-50112-7, € 9,90. |
Jeder der mit offenen Augen durch das historische Zentrum von Wien wandert, wird beunruhigende Entwicklungen wahrnehmen. Massive Dachausbauten, die Aufstockungen gleichkommen oder die Entkernung alter Gebäude lassen sich auf einen allgegenwärtigen ökonomischen Verwertungsdruck zurückführen. Während dies unter dem Hinweis, dass eine Stadt eben kein Museum ist, für manche kein Problem darstellt, zeigen sich andere besorgt, dass die Wiener Altstadt langsam die Substanz ihrer Einzigartigkeit verliert. Ein profundes Autorenteam führt durch die Geschichte und Gegenwart der Wiener Stadtbildveränderungen. Robert Schediwy, der bereits ein erfolgreiches Buch über die Stadtbildverluste seit 1945 herausgebracht hat, vermittelt in seinem umfangreichen Beitrag eine historisch-kritische Übersicht über den Wandel in Wien. Ausgehend von den großen städtischen Umstrukturierungen im 19. Jahrhundert, den Wiederaufbauten nach dem Krieg und der Wirtschaftswunderzeit analysiert er die Gegenwartssituation. Hier zeigt sich, dass die für die 70-er Jahre charakteristische Besinnung auf Altstadterhaltung und Grün nur von kurzer Dauer war. Danach fasst Claus Süss kurz und präzise das immer schon heiß umstrittene Thema der Altstadterhaltung in seinen wesentlichen Aspekten zusammen. Markus Landerer befasst sich abschließend mit dem gefährdeten Welterbe von Wien. Anhand von Fallbeispielen zeigt er den enormen Bebauungsdruck der Wiener Innenstadt auf, der einer illegalen Bautätigkeit, Entkernungen und einem Wildwuchs an Dachausbauten Tür und Tor öffnet. Interessant zeigt sich auch, dass die zur Zeit des Wirtschaftswunders errichteten uniformen Bauten, die anstelle abgebrochener Palaisbauten errichtet wurden, heute schon sanierungsbedürftige Problemfälle darstellen. In leicht verständlicher Sprache geschrieben und mit reichlichem Bildmaterial ergänzt richten sich die Beiträge nicht nur an Experten sondern auch an fachlich interessierte Laien. Da sich die in Wien aufgezeigte und analysierte Problematik in allen historischen Stadtkernen wieder findet, ist das Buch sicher nicht nur für Wien-Liebhaber von großem Interesse. Dr. Wiltraud Resch |
|
| Foto | Rezension | |
|
Format 22 x 28 cm, 296 Seiten mit 289 Abbildungen. Herausgeber Landesmuseum Joanneum, Schloss Eggenberg. Christian Brandstätter Verlag, Wien 2006.Softcover:ISBN 3-85033-024-9, Hardcover:ISBN 3-902510-96-X. € 49,- (A) |
In einer historischen Umbruchszeit zu Beginn des 17. Jahrhunderts errichtete Hans Ulrich von Eggenberg sein zu den bedeutendsten Monumentalbauten Österreichs zählendes Schloss. „Das Haus ist als riesiges Gleichnis erbaut, ein symbolisches Abbild des Universums, in dem der gelehrte Bauherr seine Vorstellung einer geordneten Welt in einer Epoche von Chaos und Auflösung formuliert“, stellt die Autorin und profundeste Kennerin des Schlosses, Barbara Kaiser, schon im Vorwort fest. Erstmals wird das in Einzelpublikationen verstreute Wissen um Gebäude, Ausstattung, Gärten, Auftraggeber und Künstler in einer großen Publikation zusammengefasst, wobei Erkenntnisse aus Forschung und umfangreichen Restaurierungen der letzten Jahrzehnte einfließen. Aufstieg und jähes Ende der fürstlichen Bauherrenfamilie, Baugeschichte und Programm der Architektur werden ebenso wie spätere Veränderungen ausführlich dargelegt. Den größten Teil des Buches nimmt der Zyklus von ca. 600 Deckengemälden ein, in dem der so genannte „Planetensaal“ den Mittelpunkt bildet. Auch für Laien verständlich, wird das gesamte Bildprogramm mit seiner sinnbildlichen Familienmythologie, Zahlensymbolik und Deutung der Himmelsmechanik erschlossen. Einleitend findet sich ein Beitrag von Ulrich Becker über die gotische, vom Vorgängerbau übernommene Hauskapelle mit kunsthistorischer Würdigung des Flügelalters von 1470. Zum Ausklang wird auch die Geschichte der Grünanlagen - vom barocken Garten, über den Englischen Landschaftspark bis zur Neuanlegung des Planetengartens von 2004 - dokumentiert. Die prachtvoll und umfangreich bebilderte Monographie dieses außergewöhnlichen Schlosses erfüllt ein seit langem bestehendes Desideratum. Hervorzuheben ist, dass das Fachpublikum genauso angesprochen wird wie der einfach am Schloss interessierte Besucher. Dr. Wiltraud Resch |